Comedy fragile – bodenständig, doppelbödig, bodenlos Stampa
Scritto da Redazione   
Lunedì 02 Marzo 2009 00:00
Active ImageBlues Max passt in keine Schublade. Max ist witziger Geschichtenerzähler, verspielter Gitarrenmann, schlitzohriger Entertainer und Blues-Clown. 

Mit seinem aktuellen Programm „Endlich Popstar“ tourt der in Zürich bekannt gewordene Kult-Komiker dieses Jahr durch die Schweiz. Die landesweit renommierte Aufführungsstätte „Das Zelt“ fungiert als Gastgeber und stellt ihn somit auf eine Stufe mit den ganz Grossen der hiesigen Unterhaltungsszene. 

 Das Stück lebt von der Sehnsucht. Max spürt den Frühling und braucht Tapetenwechsel. Er plant die Umschulung vom Alleinunterhalter zum Popstar. Doch schnell wird klar: Wer Popstar werden will, muss früh aufstehen, kommt spät ins Bett und selbst dort selten zur Ruhe. Die Spannung zwischen dem Glamour der Stars und der Sehnsucht des Nobodys produziert Geschichten, Lieder, Parodien und Situationskomik. Virtuos fabuliert, singt und spielt sich der Kult-Komiker aus dem Dschungel des Alltags in den Pop-Himmel.
Und wieder zurück. Max gibt alles und kommt voran – wie mit den Rollschuhen im Acker.

Doch Max bleibt trotz allem im Spiel, weil er Poet ist: Keiner kann wie er so lyrisch die zarte Haut und nahtlose Bräune einer Cervelat besingen. Und Max ist nicht allein. An Klavier, Bass, Schlagzeug und Gitarre begleitet ihn der Multi-Instrumentalist Richard Koechli in der Rolle von „Elvis – the Band“.
Auf die Frage, ob es nicht seltsam sei, dass ein Komiker den Blues im Namen trage, schüttelt Max Werner Widmer- alias Blues Max – schmunzelnd den Kopf: „Die Komik kommt aus dem Scheitern. Der Alltag, das Zwischenmenschliche ist voller kleiner Katastrophen.
Das Witzige an der Sache ist, wie die Menschen sich dagegen stemmen, das Schicksal besiegen, um gleich wieder auf die Schnauze zu fallen. Die Anteilnahme an diesem Kreislauf hat etwas Tröstliches. Das habe nicht ich erfunden. Das findet man schon bei Komikern wie Charlie Chaplin, Karl Valentin oder Buster Keaton. Der Komiker kann dem Scheitern Würde verleihen, ein guter Bluesmann auch.“
 Der Hang zum Tragikomischen hat bei Max Werner Widmer eine lange Geschichte. Schon in seinem Kinderzimmer hing ein Poster von Buster Keaton, dem grossen amerikanischen Filmkomiker, der nie gelacht hat. Der Bub hatte sich das Bild vom Taschengeld zusammengespart und eigenhändig auf Sperrholz aufgezogen. Nicht dass er hätte Clown werden wollen, obwohl er schon als Primarschüler – trotz einer schweren Sprach-behinderung – Zirkusvorstellungen organisierte. Profifussballer wollte er werden, jahrelang nichts als das – und brachte es bis ins Kader der Junioren-Nationalmannschaft.
Als dem Jüngling dann die Grössen der aufkommenden Pop-Kultur den Kopf verdrehten, wurde plötzlich die Gitarre der Mutter – sie war damit schon als kleines Mädchen öffentlich aufgetreten – sein neues Spielzeug. Lehr- und Wanderjahre als Strassenmusiker, Flamenco-Gitarrist, Autor von Rockopern und Auftritte als politisch-poetischer Liedermacher brachten erste Erfahrungen mit der Welt der Bühn.
Geschichten erzählen ist Widmers Leidenschaft: Ganz kurze Geschichten, oft nicht länger als ein Satz und eine Pointe, Geschichten in Liedform und dann ellenlange Talking-Blues-Stories im Stil der amerikanischen Folk-Blues Wanderpoeten. Scharfe Beobachtungen, ein feines Gespür für die kleinen zwischenmenschlichen Katastrophen, Liebe zum Detail und ein Instinkt für überraschende Wendungen prägen seine Stories.


 

Dass Blues Max schliesslich Komiker geworden ist, verdankt er letztlich dem Publikum. Die satirischen Texte zwischen den Liedern fanden mehr Beachtung als die Lieder selbst. Die Zuschauer begannen spontan mit Zwischenrufen die Konzerte anzuheizen und Max gab zurück. Da machte plötzlich einer Stand up Comedy, noch bevor es den Begriff in der Schweiz überhaupt gab.
Radio und Fernsehen entdeckten den Barden, brachten aber ausschliesslich die lustigen Sachen. Der „Ego-Blues“, eine, mehr aus Jux produzierte, witzige Tellerwäscherstory im Talking-Blues-Stil avancierte zum „Kult-Lied“ und brachte dem Sänger den kommerziellen Durchbruch. „Max pack’s“ heisst der Refrain im „Ego-Blues“ – damit war „Blues Max“ geboren.
 Und wenn es seltsam sei, dann passe es ohnehin ganz gut in sein Leben. Seltsam, dass er als gebürtiger
Thurgauer zur prominenten „Zürischnurre“ geworden ist. Seltsam auch, dass er erst in einem Alter Karriere macht, in dem andere langsam ans Aufhören denken und seltsam erst recht, wenn er in die Saiten greift: Da bleibt in Stilfragen kein Stein auf dem andern, da mischt sich der Blues sorglos mit Swing-, Latin-, Rock und Country-Rhythmen.